Hinckley Point B Power Station. Nuclear Power plant on the North Somerset coast run by British Energy.

Immer mehr Rückschläge für Hinkley Point C

In Europa formiert sich breiter Widerstand gegen das geplante Atomprojekt Hinkley Point C und dessen Subventionierung durch die britische Regierung. Gleichzeitig mehren sich bei den Projektverantwortlichen die technischen und wirtschaftlichen Probleme.

Von Falk Künstler

Mit dem Bau und Betrieb der geplanten zwei Reaktoren im englischen Hinkley Point ist ein Konsortium aus dem Kraftwerksbauer Areva, dem französischen Staatskonzern Electricité de France (EDF) und zwei chinesischen Investoren beauftragt. Anfang Juni wurde nun offiziell, was schon seit längerem abzusehen war: Die finanziell schwer angeschlagene Areva, dessen Schwerpunkt Nukleartechnik ist, wird aufgespalten. Wie die FAZ kommentiert, gilt „das Geschäftsmodell als gescheitert“. Um den taumelnden Energieriesen Areva noch aufzufangen, hat die französische Regierung nun beschlossen, dass das Kerngeschäft Reaktorbau vom staatlichen Stromkonzern EDF übernommen wird. Die Kosten der Rettungsaktion werden aus der Staatskasse gezahlt – also vom französischen Steuerzahler.

Areva ist mit Verbindlichkeiten in Höhe von 5,9 Milliarden Euro verschuldet. Grund für die immensen Verluste sind unter anderem jahrelange Bauverzögerungen und ernste Probleme mit Arevas neuem Europäischem Druckwasserreaktor (EPR). Dieser wird für den Reaktorbau im finnischen Olkilouto verwendet. Dort beanstandet die nationale Atomaufsichtsbehörde STUK gravierende Bau- und Sicherheitsprobleme. Die Inbetriebnahme des Gemeinschaftsprojektes mit Siemens ist mittlerweile um neun Jahre verschoben worden. Insgesamt sind bereits Verluste in Höhe von rund 4,8 Mrd. Euro auf Seiten der Bauherren aufgelaufen.

Beim Bau des neuen Kraftwerks Flamanville 3 in der Normandie – ebenfalls mit dem Reaktortyp EPR – stellte die französische Atomaufsichtsbehörde ASN ernsthafte Sicherheitsmängel durch „Anomalien im Stahl“ des Reaktordruckbehälters fest. Bevor an eine Fertigstellung des Projekts zu denken ist, folgen weitere umfangreiche Untersuchungen, wie die Behörde ASN im April mitteilte. Auch hier sind jetzt schon eine Bauverzögerung von vier Jahren und ungeplante Mehrkosten in Höhe mehrerer Milliarden erreicht. In den chinesischen Kernkraftwerken Taishan 1 und 2 steht die Fertigstellung der Reaktoren ebenfalls noch aus.

Anlass zur Besorgnis sind diese Probleme mittlerweile offenbar auch bei der britischen Regierung. Für Hinkley Point C ist ebenfalls geplant, Arevas Reaktortyp EPR zu verbauen. Von Seiten des britischen Finanzministeriums hieß es laut Medienberichten: ein endgültiger Abschluss des Finanzierungsvertrages sei nicht denkbar, bis die Zweifel am Reaktormodel durch die französische ASN ausgeräumt werden. Die teilweise geheimen Vertragsmodalitäten sollen eine Übernahmegarantie EDF´s von konstruktionsbedingten Risiken und Kosten enthalten. Bauverzögerungen in noch einem Projekt und die nun anstehenden Sicherheitsprüfungen könnten EDF daher teuer zu stehen kommen. Dies verunsichert auch die chinesischen Partner.

EDF kündigte derweil an, die Zahl der beschäftigten Arbeiter auf der AKW-Baustelle in Südwestengland um ein Fünftel zu reduzieren. Zuvor schon musste die von der britischen Regierung erhoffte Anzahl der durch das Reaktorprojekt neu entstehenden Arbeitsplätze deutlich nach unten korrigiert werden. Auch den Investoren dürfte immer klarer werden: an eine reibungslose Umsetzung des Projekts Hinkley Point C ist schon jetzt nicht mehr zu denken.

Foto: Kate Davison / Greenpeace