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Auswirkungen von Hinkley Point C und weiteren AKW-Projekten auf den Strommarkt in Deutschland

Die im Auftrag der Klagegemeinschaft um Greenpeace Energy erstellte Studie von Energy Brainpool untersuchte 2015 die Wirkung eines subventionierten Betriebs von Hinkley Point C mit einer installierten Leistung von 3,2 Gigawatt. Hier finden Sie einen Überblick über die Ergebnisse und die Studie zum Download.

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Studie von Energy Brainpool.

Hinkley Point C soll eine garantierte Einspeisevergütung von 92,5 britischen Pfund pro Megawattstunde erhalten. Umgerechnet sind dies rund 120 Euro pro Megawattstunde. Diese Garantievergütung soll für 35 Jahre ab Inbetriebnahme gewährt und an die Inflation angepasst werden. Bei einer jährlichen Stromproduktion von 25,7 Terawattstunden und angenommenen 8.040 Volllaststunden für Hinkley Point C summiert sich die staatliche Subventionierung über den gesamten Förderzeitraum auf 108,6 Milliarden Euro beziehungsweise 53,7 Milliarden Euro ohne Berücksichtigung der Inflationsanpassung.

Durch diese hohe Förderung in Form der garantierten Einspeisevergütung kann Hinkley Point C Strom sogar zu negativen Strompreisen produzieren, ohne selbst dabei Verlust zu generieren. Hinkley Point C reduziert den Großhandelsstrompreis in Großbritannien. Der gesunkene Strompreis führt zu vermehrten Importen von Strom aus Großbritannien in Deutschland. Die Importe senken den Strompreis in Deutschland und verringern die Erlöse konventioneller und erneuerbarer Kraftwerke in Deutschland. Dieser preissenkende Effekt auf den Strompreis in Deutschland beläuft sich auf bis zu 20 Cent pro Megawattstunde oder rund 0,5 Prozent.

grafik_auswirkungenEin weiteres Szenario beschreibt die Auswirkungen des Zubaus geplanter Atomkraftwerken in Europa, die sich am britischen Subventionsmodell orientieren könnten. Betrachtet wurden die Länder Großbritannien, Polen, Tschechien, die Slowakei, Slowenien und Ungarn. Die gesamte installierte Leistung der in diesen Ländern geplanten AKW-Projekte beträgt in Summe 33,9 Gigawatt. Die Auswirkungen dieses Kraftwerkzubaus sind um ein Vielfaches höher als bei ausschließlicher Betrachtung von Hinkley Point C. Der Strompreis verringert sich um bis zu 5,7 Euro pro Megawattstunde und damit um rund 12 Prozent.

Eine Senkung der Großhandelspreise durch den Zubau von Atomkraftwerken hat auch Auswirkungen auf die Kosten für das EEG-System. Für Hinkley Point C alleine liegt die Mehrbelastung des EEG-Kontos bei bis zu 46,7 Millionen Euro jährlich. Im Fall des weiteren AKW-Zubaus in den genannten EU-Ländern erhöht sich diese Belastung für das deutsche EEG-System – und damit auf jeden umlagepflichtigen Verbraucher – sogar auf bis zu 2,2 Milliarden Euro. Für einen einzelnen Haushalt mit einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden steigen die jährlichen EEG-Mehrkosten um bis zu 16,40 Euro.

Der großflächige Ausbau der Atomkraft in Europa hat eindeutig negative Folgen für den Marktwert von Wind- und Solarstrom in Deutschland. Dieser marktwertsenkende Effekt beträgt bis zu 10,4 Prozent (Wind) bzw. 4,4 Prozent (Solar). Beim großflächigen Ausbau der Atomkraft in Europa erlöst eine durchschnittliche Windenergieanlage je Megawatt bis zu 13.400 Euro weniger pro Jahr, eine Solaranlage bis zu 6.100 Euro weniger.

INFO Die komplette Studie von Energy Brainpool steht hier zum Download bereit.